Französische Dialekte

Französische Dialekte

Geschrieben am 10.04.2019, von Jean-Luc | Kategorie Kultur & Traditionen

Frankreich ist ein Land mit einer beträchtlichen Anzahl von Regionalsprachen und Dialekten, auch wenn Französisch die einzige Amtssprache bleibt. Artikel 2 der Verfassung von 1958 ist in diesem Punkt eindeutig: „Die Sprache der Republik ist Französisch“ Das bedeutet aber nicht, dass das heutige Frankreich lokalen Idiomen ablehnend gegenübersteht, denn die Verfassung schreibt auch vor, dass „die regionalen Sprachen Teil des französischen Kulturerbes sind.“ Ist die Existenz einer offiziellen Amtssprache mit den regionalen sprachlichen Eigenheiten vereinbar?  Sollen wir dabei von „Mundarten“ (Patois), „Dialekten“ oder „Sprachen“ sprechen?“

Dialekte, Mundarten und Mutter- bzw. Ursprache

Selbst die Sprachwissenschaftler sind sich in dieser Frage nicht einig! Wir wollen hier nicht versuchen, eine endgültige Antwort auf diesen Streit zu geben, sodass wir die Dialekte als regionale, aus der Muttersprache hervorgegangene Minderheitensprachen bezeichnen. Ein Dialekt ist mit einer bestimmten geografischen Region verbunden und wird von einer begrenzten Anzahl von Sprechern praktiziert. Das Wort „Dialekt“ ist nicht abwertend zu verstehen, da ein Dialekt seine eigenen Merkmale (Grammatik, Syntax usw.) besitzt, die jeden strukturellen Unterschied zu einer Sprache beseitigen. Was das Wort „Patois“ betrifft, so bezieht es sich auf eine Variante, die in einer eher kleinen und ländlichen Region gesprochen wird.

Die Dinge werden komplizierter, wenn wir berücksichtigen, dass Französisch selbst ein Dialekt ist, der aus dem Lateinischen hervorgegangen ist, seiner Ursprache. Im Laufe der Geschichte hat die herrschende Klasse es stets als Instrument im Dienste ihrer Machtausübung eingesetzt. Französisch war zunächst und vor allem die Sprache des Königs und diejenigen, die das Land regierten, versuchten lange Zeit zu verhindern, dass die Bewohner ihre Regionalsprache nutzten.. „Die Art und Weise des gesündesten Teil des Hofes sich auszudrücken“. So definierte Vaugelas, ein berühmter Grammatiker und Mitglied der Académie Française des 17. Jahrhunderts, den korrekten Gebrauch des Französischen.

Die verschiedenen Regionalsprachen

Doch was sind die am häufigsten verwendeten Regionalsprachen Frankreichs? Bretonisch ist eine keltische Sprache, die von fast 250.000 Menschen gesprochen wird, die ihren Traditionen besonders verhaftet sind. Es ist eine für Uneingeweihte sehr schwer zu verstehende Sprache. Zum Beispiel heißt Mann „Den“ oder „Gwaz“, Frau „Plac’h“ oder „Maouez“, „Dour“ bedeutet „Wasser“ und das Verb „haben“ wird mit „Kaout“ übersetzt. Aber weißt du, was die am weitesten verbreitete Regionalsprache in Frankreich ist? Das Kreol. Tatsächlich sprechen zweieinhalb Millionen Menschen diese Sprache. Zeichne eine Linie, die durch Bordeaux, Clermont-Ferrand und Grenoble verläuft: nördlich dieser Linie sind es die Sprachen von Oïl (Frainc-Comtou, Wallonisch, Picard, Gallo,….) Im Süden ist es das Okzitanische mit dem Provençal, Nissart, Gascon usw. Aber unser Französisch der Regionen, umfasst unter anderem auch das Korsische und Flämische!

Wie viele Regionalsprachen gibt es in Frankreich?

Sprachwissenschaftler schätzen, dass es in Frankreich etwa 75 Regionalsprachen gibt! Einige von ihnen wie Okzitanisch, Bretonisch, Baskisch, Korsisch, Elsässisch oder einige melanesische Sprachen wie das Tahitianische werden an Schulen unterrichtet. In Frankreich lernen 400.000 Schüler jedes Jahr eine Regionalsprache an öffentlichen und privaten Schulen. Es ist wichtig, dass die Schüler ein Fach in einer Regionalsprache für die Bac-Prüfungen lernen können. Wenn dieser Unterricht nicht ausgebaut und aufgewertet wird, werden wir erleben, dass dieses sprachliche Kulturerbe verschwindet. Für diejenigen, die Französisch als Fremdsprache lernen, ist es wichtig, die verschiedenen Aussprachen zu kennen, um die lokale Kultur besser zu verstehen. In Antibes enden viele Dorfnamen auf einen Konsonanten, der ausgesprochen werden muss (BioT, VallauriS usw.), andernfalls läuft man schnell Gefahr als „Nordist“ angesehen zu werden!

Die Akzente in Frankreich

Sollten wir akzentfrei sprechen? Gibt es eine Region, in der es keinen spezifischen Akzent gibt? Wahrscheinlich nicht, weil alle Regionen noch immer von ihrer Regionalsprache beeinflusst werden. So werden in der Region Toulouse die Endvokale aufgrund des Einflusses des Okzitanischen ausgesprochen. Jeder kennt die Ausdrucksweise Südfrankreichs und den durch Pagnols Werke verewigten Accent du midi oder den durch den Film Willkommen bei den Sch’tis bekannt gewordenen Sch’ti-Akzent. Der weniger bekannte Akzent des Frainc-Comtou ist einer der charmantesten in Frankreich. Die Bewohner dieser Region (zu der Städte wie Besançon oder Belfort gehören) sprechen das geschlossene [o] sehr offen und das [t] am Ende des Worts aus. Das [o] von vélo spricht sich wie das [o] von botte aus und die Zahl vingt wird vinte ausgesprochen.

Ein Akzent kann insofern diskriminierend sein, als die singende und spielerische Seite einiger Berufe mit so genannten „seriösen“ Funktionen unvereinbar erscheint. Sänger (Francis Cabrel, Claude Nougaro, Mireille Mathieu u. v. a.), Schauspieler (Michel Galabru, Fernandel, Raimu u. v. a.), Rugby-Kommentatoren (Pierre Albaladejo) oder Gastronomie-Kolumnisten entkommen diesen hartnäckigen Stereotypen. Anderseits sind in verschiedenen Bereichen (Medien, Politik usw.) Sprecher mit einem starken südlichen, elsässischen oder korsischen Akzent weniger häufig anzutreffen. Zu ihnen zählen politische Journalist Jean-Michel Apathy, der Philosoph Michel Serres und der Abgeordnete Jean Lassalle.

Linguizismus (im Französischen spricht man von Glottophobie) ist eine Form der Ablehnung, die alle Akzente diskriminiert, die nicht dem Standard-Französisch entsprechen, das die Pariser Eliten heilig gesprochen haben sollen, um ihren Machterhalt abzusichern. Mangelnde Bildung oder Ernsthaftigkeit, Vorurteile gegenüber der Landbevölkerung: Regionale Akzente fallen im häufiger der standardisierten Sprache zum Opfer.

Dialekte in den Nachbarländern

Aber wie sieht es in den Nachbarländern aus? In Spanien ist die Situation anders, denn in einigen autonomen Gemeinschaften können andere Sprachen als das Kastilische einen offiziellen Status haben. In Frankreich bleibt Französisch die Amtssprache in Behörden, bei Gerichtsverfahren, an der Universität … Neben Kastilisch, der Amtssprache des spanischen Staates, gibt es Regionalsprachen wie Galizisch (in Galizien), Asturisch (in Asturien), Baskisch (im spanischen Baskenland) und Katalanisch. Hinzu kommen das Madrileño oder andere Dialekte, die in Andalusien und auf den Kanarischen Inseln gesprochen werden.

Unsere Nachbarn jenseits der Alpen nutzen auch eine große Anzahl anderer Sprachen als das Italienische. In Wirklichkeit ist ihre Zahl unberechenbar, da sie je nach Stadt und sogar Dorf variieren! Die wichtigsten sind Sizilianisch, Sardisch, Friaulisch (Friaul, Venetien), Ladinisch (Südtirol) und Okzitanisch (Piemont, Ligurien, Kalabrien,…), Neapolitanisch usw. Im Aostatal wird sogar Französisch und in Bozen wird Deutsch von vielen Einwohnern gesprochen.

Geschrieben am 10.04.2019, von Jean-Luc | Kategorie Kultur & Traditionen
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